von Antonia Schwingen

Bericht von der Veranstaltung Freiwilligendienste - fair genug?

FREIWILLIGENDIENSTE – FAIR GENUG? war das Thema der Veranstaltung im Bonner Weltladen am Abend des 13. Juni, bei der fünf junge Männer und Frauen von ihren Erfahrungen und Perspektiven als Freiwillige im Ausland berichteten.

Welche Schwierigkeiten können jungen Menschen begegnen, die einen Freiwilligendienst im Ausland planen? Welche Möglichkeiten haben Süd-Nord-Reisende, welche dagegen Deutsche, die in ein Land im globalen Süden gehen möchten? Wie werden die unterschiedlichen Programme finanziert? Geht es fair zu in der inzwischen großen Welt der Freiwilligendienste?

Mit diesen Fragestellungen befasst sich Stina Drexler, selbst ehrenamtliche Mitarbeiterin im Bonner Weltladen, seit längerem sehr intensiv – denn im September wird sie selbst nach ihrem Masterabschluss des Pädagogikstudiums den 12-monatigen weltwärts-Freiwilligendienst in einem Zentrum für Kinder mit Behinderung in Uganda beginnen.

Jakob und Jakob aus Deutschland, beide Anfang 20, Claudia (24) aus Chile, Evelyn (28) aus Kolumbien und Nathalie (27) aus Madagaskar haben den großen Schritt bereits gewagt: Die jungen Männer sind mit dem Programm weltwärts jeweils für ein Jahr nach Kambodscha beziehungsweise nach Südafrika gereist. Der weltwärts-Freiwilligendienst wurde 2008 durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen. Die drei jungen Frauen absolvieren derzeit den internationalen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in Deutschland – Claudia in der Altenpflege, Evelyn in einem Hospiz und Nathalie in einem Behindertenheim.

Im Laufe des Erfahrungsaustauschs stellte sich heraus, dass die nach Deutschland Reisenden in ihrem Bewerbungsprozess mit der Anforderung konfrontiert wurden, grundlegende Deutschkenntnisse mittels Zertifikat vorweisen zu können – wohingegen die deutschen Freiwilligen die Sprache des jeweils anvisierten Landes im Voraus nicht beherrschen mussten. Grundsätzlich sei es für Ausländer in Deutschland am einfachsten, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren, wenn sie dieses direkt an ein Au Pair-Jahr anschlössen, weil sie dann bereits in Deutschland sind, betonte Evelyn. Die meisten ihrer Bekannten inklusive sie selbst haben es derart gehandhabt.
Ebenfalls Teil des Auswahlverfahrens war für die Frauen eine eintägige Hospitation in ihrer jeweiligen zukünftigen Einrichtung. Neben dem Reiseaufwand handelt es sich hierbei auch um einen sehr kostspieligen Akt – ohnehin sei ein FSJ in Deutschland insgesamt bei weitem nicht jedem Ausländer möglich, da man hierfür finanziell gut ausgestattet sein müsse, so Nathalie. Auf Deutsche hingegen, die einen Freiwilligendienst im Ausland machen, kommen so gut wie keine Kosten zu.  

Eine weitere Hürde für BFD-Anwärter anderer Nationalität in Deutschland ist die Unterkunftssuche: Sie sind dringend auf eine Einsatzstelle angewiesen, die auch die Unterbringung gewährleisten kann. Hierdurch sind laut Claudia die Auswahlmöglichkeiten der Arbeitsstelle von vornherein sehr begrenzt. Die beiden Deutschen konnten demgegenüber Wünsche äußern, ob sie lieber in einer ländlichen oder in einer städtischen Region arbeiten und leben wollten, und sich auf ein bestimmtes Land bewerben.

Sehr positiv sprach sich Claudia für die FSJ-Betreuung durch die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) aus: „Es ist eine sehr unterstützende Organisation – es gibt immer einen Ansprechpartner, wenn etwas ist. Das ist nicht selbstverständlich.“ Mit dieser Organisation wird im Übrigen auch Stina im September nach Uganda gehen.

Die Beiträge der Vortragenden sowie des Publikums zeigten insgesamt, dass sich Deutsche offenbar mit viel weniger Schwierigkeiten konfrontiert sehen als Menschen aus anderen Ländern, wenn sie einen Freiwilligendienst im Ausland absolvieren möchten. Die beiden jungen Männer sprachen dem Programm weltwärts allgemein zwar zu, den Süd-Nord-Freiwilligentransfer mit guten Ansätzen voranzutreiben, doch sei es für das Programm bis zu einem 1:1-Verhältnis einer allgemeinen Fairness in beide Reiserichtungen noch ein weiter Weg.

In dem Punkt, dass sich ein Freiwilligendienst im Ausland trotz allen Aufwandes im Vorfeld, eventueller kleinerer Komplikationen vor Ort und dem Zweifel, ob damit überhaupt jemandem geholfen ist, allemal lohnt, waren sich alle Referenten einig. Stinas abschließendes Fazit lautete: „Durch die Freiwilligenprogramme begegnen sich Menschen, die sich sonst nie kennenlernen würden. Ich mache das in erster Linie, weil ich den interkulturellen Austausch suche. Das offizielle Motto `Lerndienst` werde ich erfüllen können. Und irgendeinen sozialen Beitrag kann ich dabei auf jeden Fall auch leisten – und wenn ich mal einfach nur Geschirr spüle!“

Die nächste Veranstaltung im Bonner Weltladen FOODSHARING – FAIRTEILEN! findet am 27. Juni um 19.15 Uhr statt. Informationen hierzu gibt es hier.

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